Game of Libraries – Mein Alltag als FaMI in der wissenschaftlichen Bibliothek - Veras Literaturtraum

Donnerstag, 16. Mai 2019

Game of Libraries – Mein Alltag als FaMI in der wissenschaftlichen Bibliothek


Hello Again!

In unserem letzten Beitrag hat Rika euch ein wenig über ihren Alltag in der ÖB erzählt (Link zum Beitrag hier), und nun bin ich dran. Eigentlich wäre dieser Beitrag nur vier Sätze lang, weil ich auf der Arbeit in meiner WB garantiert keinen so geregelten Alltag wie Rika habe, aber ich versuche, euch einen kleinen Einblick in meine Ausbildung zu geben.

Zum einen gehe ich jeden Dienstag und Freitag zur Berufsschule, die etwa 45 Bahnminuten entfernt ist. Berufsschulen für diesen Berufsschule gibt es in jedem Bundesland etwa 1-2 Stück, meistens in den Hauptstädten. Für mich ist es immer ein wenig wie Kurzurlaub (wenn wir gerade keine Klausur schreiben), meine Freunde zweimal die Woche zu sehen.

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Hauptpunkt. Vielleicht wundert ihr euch, warum ich keinen Alltag habe. Das liegt daran, dass ich in einer weitaus größeren Bibliothek arbeite (WBs sind in den meisten Fällen - ausgenommen Stadtbibliotheken in Großstädten - sehr viel größer) und wir einige Abteilungen haben. Das bedeutet, dass ich durchschnittlich alle zwei bis drei Wochen die Abteilung wechsle.

Abteilungen sind unter anderem:

  • Ausleihe
  • Medienbearbeitung (aufgeteilt in Kauf-, Geschenk- und Tauschteam)
  • Information
  • Restaurierung / Buchbinderei (yeah, wir sind cool und haben sowas! ;))
  • Fernleihe
  • Zeitschriftenstelle
  • Magazindienst
  • Beschriftung
  • Regionales
  • Verwaltung (nicht meine Lieblingsabteilung 😅)

Ich hoffe einfach mal, dass ich keine Abteilung, in der ich bisher war, vergessen habe. Die meiste Zeit verbringe ich momentan bei der Ausleihe oder in der Medienbearbeitung, da die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, dass ich nach der Ausbildung solchen Tätigkeiten nachgehe (oder euch als Buchhändlerin berate, mit den Abschluss als FaMI kann man nämlich bei einigen Ketten auch in einer Buchhandlung arbeiten).

Ich behaupte mal, dass ihr euch so einigermaßen vorstellen könnt, was in der Ausleihe so abläuft. Dort kümmere ich mich im Prinzip um alles außer die Kasse; das heißt Vormerkungen, Mahnungen und Neuerwerbungsregale bearbeiten und selbstverständlich gewisse Nutzer bedienen, in dem ich ihnen den Toilettenschlüssel oder eine Parkmünze reiche (unser Parkplatz ist sehr zentral in einer Großstadt gelegen), Bücher zurückbuche oder ausleihe und nebenbei die (mehr oder weniger gut riechenden) Nutzer darauf hinweisen muss, dass ich ihnen die Gebühren von 50€ nicht erlassen kann, weil sie zu faul waren anzurufen oder die Bücher online zu verlängern.

In der Medienbearbeitung kommen alle Bücher, die neu eingearbeitet werden müssen, je nachdem ob sie neu gekauft wurden (weil irgendein Student ein 150€ Fachbuch verschludert hat - das wird teuer ;), gegen müffelige Bücher eingetauscht oder uns aus welchem Grund auch immer geschenkt wurden (meistens Belletristik aus den 90ern, die im Müll landet; gelegentlich auch Bücher von 1698 - in der Geschenkabteilung ist es auf jeden Fall abwechslungsreich). Um die Bücher einzuarbeiten, bearbeite ich den Eingang, die Rechnung der Buchhandlung, inventarisiere das Buch (Stempel, Signatur usw.) und katalogisiere das Buch. Letzteres tue ich anhand unseres *Sarkasmus an* absolut glorreichen und leichtverständlichen Regelwerkes RDA (siehe Foto) *Sarkasmus aus*, welches Lehrer und Bibliotheken sehr gerne jeder komplett anders auslegt.

An der Information war ich bisher nur sehr kurz, weil das bei uns eher der Job der Bibliothekare ist. Dort bekommt man seinen Nutzerausweis (für den die meisten erst bei uns zur Ausleihe gehen) und kann Fragen zur Recherche stellen etc.
Einer der interessantesten Abteilungen bei uns ist wohl die Restaurierung bzw. die Buchbinderei, wo man Aufträge für die Buchbinder schreibt und sehr viel über den Aufbau eines Buches lernt. In der Buchbinderei selbst ist es sehr interessant, die beschädigten Bücher vom 16.-21. Jahrhundert zu reparieren und zu erfahren, wie das ganze geht.

Fernleihe sagt euch vielleicht etwas. Wenn ein Buch in eurer Stadt nicht verfügbar ist, bestellt man es darüber gegen eine kleine Gebühr. Wenn ich in der Abteilung bin, kümmere ich mich um den Eingang und den Ausgang und teile den Bibliotheken mit, ob sie sie schlau waren und ein bereits ausgeliehenes Buch bestellte haben oder ob sich das Buch auf dem Weg befindet.
In der Zeitschriftenstelle werden ähnlich wie in der Medienbearbeitung die zusammengebundenen Zeitungen und Zeitschriften eingearbeitet; dort darf ich neben der Eingangsbearbeitung, Rechnungsbearbeitung und Inventarisierung aber auch die Bestellung selbst machen.
Gelegentlich helfe ich auch im Magazindienst aus, wo wir die Bücher, welche Nutzer über den Onlinekatalog aus unseren Magazinen bestellen, einsammeln und täglich so die 20km laufen.

Die Beschriftung erklärt sich glaube ich von selber; die Abteilung "Regionales" ist im Prinzip dasselbe wie die Medienbearbeitung, halt nur für in oder über die Region veröffentlichte Publikationen (was gar nicht so wenig ist, da das meiste - außer die Ostfriesenkrimis von diesem nervigen Klaus-Peter Wolf - nicht in einem Verlag sondern als Selfpublisher veröffentlicht werden). Über die Verwaltung fange ich erst mal gar nicht an, es ist einfach nicht mein Ding, mir Haushaltspläne oder Gesetzestexte anzuschauen.


Ich hoffe, ich habe euch jetzt nicht mit Informationen erschlagen, und das euch dieser Beitrag gefallen hat. Ich würde mich sehr über Fragen, Anregungen oder Feedback freuen und wünsche euch einen guten Start ins Wochenende!


Ps.: Sagt Hallo zu Bücherregal Nr. 4 😍

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